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Ein Gedicht zur höheren Finanzmathematik

Abgelegt unter: Fairylane´s Blog, Kurzgeschichten — Fairylane at 12:13 pm on Donnerstag, Oktober 30, 2008

Bereits vor einigen Tagen ist mir beim Stöbern im Netz auf den verschiedensten Webseiten ein Gedicht aufgefallen, welches sich inhaltlich mit den Vorgängen an der Börse, wie sie momentan zu beobachten sind, auseinander setzt.

Leider gab es dabei immer die Schwierigkeit der Zuordnung des Verfassers. Wer hat es verfasst? Nun hat die Financial Times Deutschland mit dem wahren Autor Richard Kerschhofer gesprochen.

Hier nun die Zitate der beiden ähnlichen Gedichte, jenes von Kurt Tucholsky und Richard Kerschhofer, aus dem Bericht der Financial Times Deutschland zum Verständnis und Erhalt des Zusammenhanges in diesem Text, falls die Links nicht mehr erreichbar sind.

Zunächst das bereits altbekannte Gedicht von

Kurt Tucholsky alias Theobald Tiger in “Die Weltbühne”, 1930

Die freie Wirtschaft

Ihr sollt die verfluchten Tarife abbauen.
Ihr sollt auf euern Direktor vertrauen.
Ihr sollt die Schlichtungsausschüsse verlassen.
Ihr sollt alles Weitere dem Chef überlassen.
Kein Betriebsrat quatsche uns mehr herein,
wir wollen freie Wirtschaftler sein!
Fort die Gruppen – sei unser Panier!
Na, ihr nicht.
Aber wir.

Ihr braucht keine Heime für eure Lungen,
keine Renten und keine Versicherungen.
Ihr solltet euch allesamt was schämen,
von dem armen Staat noch Geld zu nehmen!
Ihr sollt nicht mehr zusammenstehn -
wollt ihr wohl auseinandergehn!
Keine Kartelle in unserm Revier!
Ihr nicht.
Aber wir.

Wir bilden bis in die weiteste Ferne
Trusts, Kartelle, Verbände, Konzerne.
Wir stehen neben den Hochofenflammen
in Interessengemeinschaften fest zusammen.
Wir diktieren die Preise und die Verträge -
kein Schutzgesetz sei uns im Wege.
Gut organisiert sitzen wir hier …
Ihr nicht.
Aber wir.

Was ihr macht, ist Marxismus. Nieder damit!
Wir erobern die Macht, Schritt für Schritt.
Niemand stört uns. In guter Ruh
sehn Regierungssozialisten zu.
Wir wollen euch einzeln. An die Gewehre!
Das ist die neuste Wirtschaftslehre.
Die Forderung ist noch nicht verkündet,
die ein deutscher Professor uns nicht begründet.
In Betrieben wirken für unsere Idee
die Offiziere der alten Armee,
die Stahlhelmleute, Hitlergarden …
Ihr, in Kellern und in Mansarden,
merkt ihr nicht, was mit euch gespielt wird?
Mit wessen Schweiß der Gewinn erzielt wird?
Komme, was da kommen mag.
Es kommt der Tag,
da ruft der Arbeitspionier:
“Ihr nicht.
Aber Wir. Wir. Wir.”

Hier nun das neue Gedicht, welches in dieser Zeit der Finanzkrise gerne gelesen wird, von

Richard Kerschhofer alias Pannonicus in: “Preußische Allgemeine Zeitung”, 2008

Höhere Finanzmathematik

Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen – echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft’s hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der kleine Mann zu blechen
und – das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.

Die Absätze sind zum besseren Lesen ins Zitat eingefügt worden.

Beide Gedichte passen sehr gut in ihre jeweilige Zeit bzw. sie dürften an Aktualität wohl kaum einbüßen.
Hört man sich die Aussagen momentan aus der Wirtschaft oder von den Politikern in den Medien an, dann sprechen sie jetzt von “Sozialer Marktwirtschaft”, aber bei genauerer Betrachtung ist es schön umschriebener “Neoliberalismus” pur. Immer noch keine “harten klaren Kanten”, lieber “laue süße Pillen-Korrektur mit Sozialisierung von Nachteilen”. Nur wird dieses meines Erachtens von den Medien selten deutlich gemacht.

Ist die Börse ein Wettbüro oder ein Handelsplatz?

Abgelegt unter: Fairylane´s Blog — Fairylane at 4:37 am on Mittwoch, Oktober 29, 2008

Den ungewöhnlichen Kursanstieg der VW-Aktie lässt viele die Augen reiben. Gleichzeitig kommen Fragen auf, wer wie daran beteiligt ist, neben der Titelfrage.
Im folgenden wird hier einmal der Versuch unternommen, dieses deutlich zu machen sowie Antworten auf die Fragen, ausgehende Gefahren für die Beteiligten von Börse, Handelnden und Anleger auf zu zeigen.

Auf Spiegel Online ist der Bericht von Stefan Schultz mit “Experten warnen vor gefährlicher VW-Blase” überschrieben.
Hier nun, falls die Internet-Seite unter dem og. Link nicht mehr erreichbar sein sollte, der Bericht als Zitat zum Verständnis:

500, 700, fast 1000 Euro: Die VW-Aktie steigt in immer absurdere Höhen und bringt den ganzen Dax durcheinander. Kurzzeitig war der Autokonzern sogar das teuerste Unternehmen der Welt. Experten fürchten einen rasanten Crash – und drängen die Börse zu raschen Gegenmaßnahmen.

Hamburg – Börsianer-Statements klangen an diesem Dienstag noch verwirrter als sonst: “Alles verrückt hier”, sagt ein Postbank-Händler. Ein anderer sagt nur noch “VW” – und behauptet: “Das erklärt alles.” Ein dritter sagt, durch VW wirke das Börsengeschehen “deutlich weniger seriös”.

Tatsächlich sind die Kapriolen, die die VW-Aktie zurzeit vollführt, verstörend. Von Montagmorgen bis Dienstagmittag stieg ihr Kurs wie eine Rakete, von ohnehin schon absurden 210,52 Euro auf teilweise mehr als 1000 Euro. Mit dieser Rallye überholte VW vorübergehend sogar Exxon Mobil als wertvollstes Unternehmen der Welt. Bei Börsenschluss kostete die Aktie immer noch über 945 Euro.

Einen solchen Kursanstieg hat es in der Geschichte der Deutschen Börse noch nicht gegeben. Und so hat die Rallye der VW-Aktie die meisten Anleger verblüfft. Einige Experten hingegen nicht. Das Problem habe sich lange angedeutet – VW sei seit Monaten überbewertet.

“Das jetzige Hoch ist nur der Hingucker”, sagt Bernd Schimmer, Chefanalyst der Hamburger Sparkasse. “Schon seit Anfang des Jahres drückt die überbewertete VW-Aktie den Dax künstlich nach oben.” Tatsächlich, sagt Schimmer, hat das VW-Kurshoch zum Teil die Börsenbeben der Finanzkrise abgefedert.

Seit der Bankrotterklärung der US-Investmentbank Lehman Brothers am 15. September sind die Börsen weltweit im Sinkflug. Der Dax brach von 6234 auf zwischenzeitlich rund 4000 Punkte ein. “Ohne VWs Kursboom wäre der Dax noch um mindestens zehn Prozent mehr in den Keller gegangen”, sagt Schimmer, “vermutlich sogar noch mehr.”

Wie es zu der Kursrallye kam

Der Mechanismus, der hinter der aktuellen Kursrallye steht, ist so kompliziert nicht. Er basiert im Grunde auf dem Prinzip Angebot und Nachfrage. Porsche sammelt seit längerem VW-Aktien in kleinen Häppchen, inzwischen hat das Unternehmen seinen Anteil auf 42,6 Prozent aufgestockt, 32,5 Prozent kontrolliert das Unternehmen in Form von Optionen.

Da das Land Niedersachsen, der zweite Großaktionär, ebenfalls über 20 Prozent der VW-Anteile hält, wurde der Anteil der am freien Markt verfügbaren VW-Aktien, der sogenannte Streubesitz, immer kleiner. Gleichzeitig gibt es eine hohe Nachfrage an VW-Papieren – vor allem durch sogenannte Leerverkäufer.

Als Porsche nun am Sonntag bekanntgab, VW über einen Beherrschungsvertrag kontrollieren zu wollen, brach die Panik aus. Inzwischen liegt der Streubesitz nur noch bei rund sechs Prozent des gesamten VW-Kontingents. Das knappe Angebot verursachte einen Run auf die wenigen noch verfügbaren VW-Aktien.

Gefährliche Börsenblase

Das Hoch der VW-Aktie hat inzwischen eine Börsenblase produziert. Das Gewicht des Autobauers im Dax ist überproportional hoch. Bereits am Montag machte der Wert der VW-Titel 16,67 Prozent im Dax aus. Heute werden es nach ersten vorsichtigen Schätzungen über 20 Prozent sein.
20 der 30 Werte im deutschen Leitindex standen zu Börsenschluss dagegen im Minus. “Auch das”, sagt Haspa-Chefanalyst Schimmer, “liegt zum Teil am exorbitanten VW-Kurshoch. Die Stärke der Volkswagen-Aktie schwächt die anderen Dax-Werte”, erläutert er. “Unternehmen, die von der Wertsteigerung der VW-Aktie profitieren wollen, und Leerverkäufer, die für Aktienrückkäufe Kapital benötigen, verkaufen ihre anderen Dax-Werte. Dadurch drückt das Riesenplus von VW viele anderen Werte weiter ins Minus.”

Doch obwohl die meisten Dax-Werte in den roten Zahlen stehen, schloss der Dax über elf Prozent im Plus. “Der Index gibt ein falsches Signal”, sagt Burghof. “Das Gewicht der VW-Aktie im Dax ist so utopisch hoch, dass es die anderen Werte völlig aufhebt. Das kann man schon als Marktversagen bezeichnen.”

Was passiert, wenn die Blase platzt?

Man könnte auch sagen: Im Moment gibt es keinen Dax mehr – nur noch VW. Und das ist ein höchst unberechenbares Konstrukt. Sobald sich der Wert der Aktie normalisiert, drohen dem deutschen Leitindex herbe Verluste. Es gibt mehrere Szenarien dafür. Manche beinhalten einen allmählichen Rückgang des VW-Werts, andere einen plötzlichen – mit gleichzeitigem Börsencrash.
Das harmloseste Szenario ist noch, dass die Nachfrage nach VW-Aktien allmählich wieder sinkt. So vermuten Experten, dass die eminent hohen Preise vor allem von Leerverkäufern produziert worden sind, die ihre geliehenen VW-Aktien kurzfristig zurückgeben müssen. Tun sie dies nicht, begehen sie gegenüber dem Verleiher – meistens einer Bank – einen Vertragsbruch. Sie können dann auf hohe Summen verklagt werden. Zudem droht dem Leerverkäufer ein erheblicher Imageverlust, der es ihm künftig erschwert, sich Aktien zu leihen.

Solche Leerverkäufe dürften allerdings in absehbarer Zeit auslaufen. “Short Sales sind recht kurzfristige Geschäfte”, sagt Finanzexperte Burghof. Ihr Druck dürfte nicht mehr allzu lange auf den VW-Werten lasten. “Laufen allerdings viele Short Sales am selben Tag aus, beispielsweise, da ein Hedgefonds eine große Anzahl an VW-Leerverkäufen getätigt hat, dürfte der Dax deutlich verlieren.”

Was, wenn VW aus dem Dax fällt?

Allerdings, sagt ein Analyst, der nicht namentlich genannt werden will, sei das aktuelle Preishoch nicht unbedingt nur auf Leerverkäufer zurückzuführen. “Es gibt mehrere Aktienfonds, die an den Dax gekoppelt sind oder die Autowerte abbilden”, sagt der Experte. “Wenn die Einlagen solcher Fonds steigen, sind sie gezwungen, neue VW-Aktien zu kaufen.” Da es aber am freien Markt kaum noch solche Aktien gibt, halte ihre Nachfrage den Preis weiter künstlich hoch.
Ein anderes Szenario ist daher, dass der VW-Wert den Dax bis zum dritten Dezember weiter künstlich aufbläht – und ihn dann mit sich in die Tiefe reißt. Denn am 3. Dezember ist an der Deutschen Börse ein sogenannter Verkettungstermin vorgesehen: Viermal pro Jahr trifft sich der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse, um die einzelnen Unternehmen im Index neu zu gewichten.

Die vorgesehene Obergrenze einer Aktie liegt aber bei zehn Prozent. Finanzexperte Wolfgang Gerke fordert die Deutsche Börse deshalb auf, jetzt zu handeln, zumindest den Wert der VW-Aktie jetzt schon auf die vorgesehene Obergrenze zu beschneiden. “Es kann nicht angehen, dass eine einzige Aktie den Deutschen Aktienindex so stark bestimmt, wie das derzeit der Fall ist”, sagt er im Interview mit SPIEGEL ONLINE.

Ein weiteres Szenario, ist, dass es einen sogenannten “fast exit” der VW-Aktie gibt. Nach Börsengesetz müssen mindestens fünf Prozent der Papiere in Streubesitz sein. Ansonsten muss der Wert binnen zwei Tagen ausgetauscht werden. Gerke vermutet, dass schon jetzt weniger als fünf Prozent der Aktien in Streubesitz sind.

In diesem Fall aber müsste VW die Börse benachrichtigen. Die müsste die Aktie gegen eine andere austauschen und die Gewichtung der 30 Dax-Werte anpassen. Die Börsenblase würde platzen – und der Dax in den Keller sausen. “Angesichts des ohnehin gespannten Umfelds”, sagt Burghof, “ist ein neues Börsenbeben dann nicht ausgeschlossen.”

Auf n-tv ist unter diesem Link u.a. ein Video mit dem Titel “VW Höhenflug mit Nebenwirkungen Daxchaos sorgt für schlechte Stimmung” anzusehen, wo das Unverständnis der Börsianer deutlich wird.

Wunderbar offensichtlich ist hier am Montag, 27. Oktober, und Dienstag, 28. Oktober, für jeden sichtbar, wie herrlich Leerverkäufe von Aktien sich auf einen Kurs einer Aktie auswirken kann.
Alle beteiligten Akteure wissen hoffentlich was sie tun!
Meiner Auffassung nach sollte es wohl besser heißen: “Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun!”

Es wird immer noch lustig auf fallende Kurse gewettet. Dieses Handeln mit Leerverkäufen ist in dieser momentanen Finanzkrise wohl nicht so ganz ungefährlich wie in einem normalen Wirtschaftsumfeld.

Im Krisenticker des Manager-Magazin wird getitelt “Gerüchte um VW-Deal belasten Großbank”. Damit auch hier der Zusammenhang erhalten bleibt, falls die verlinkte Seite nicht mehr erreichbar sein sollte, nun aus dem Ticker folgende Zitate:

Krisenticker
Gerüchte um VW-Deal belasten Großbank

Gerüchte, die SocGen habe sich mit VW-Aktien verspekuliert, lassen den Kurs der französischen Großbank abstürzen. Die Stimmung der US-Verbraucher ist so stark gefallen wie nie. Die Bank of England taxiert die weltweiten Verluste durch die Finanzkrise auf 2,2 Billionen Euro.

16.35 Uhr: Gerüchte um Verluste durch Spekulationsgeschäfte mit der Volkswagen-Aktie belasten Händlern zufolge die französische Großbank Societé Generale. Es gebe Gerüchte, dass SocGen durch Leerverkäufe von VW-Aktien Verluste verzeichnet habe. Die in Paris notierte Aktie fiel am Nachmittag um 16 Prozent auf 31,83 Euro zurück und war damit der größte Verlierer im französischen Leitindex CAC40.

Die Aktie von Volkswagen Chart zeigen lag zugleich 31 Prozent im Plus und kostete 685 Euro. Zwischenzeitlich hatten VW sogar über 1000 Euro notiert. Die Deutsche Börse müsse daher jetzt eingreifen und die Gewichtung von Volkswagen im Dax unverzüglich wieder verringern, forderte Wolfgang Gerke, Mitglied des Börsenrates, im Gespräch mit manager-magazin.de.

Wer noch an den Spekulationen beteiligt ist oder davon betroffen wird berichtet das Handelsblatt vom 28.10.2008 unter dem Titel “Fehlspekulationen VW-Höhenflug kostet Fonds Milliarden” von Jörg Hackhausen, Sönke Iwersen, Florian Kolf, Ralf Drescher und Sven Afhüppe.
Damit auch hier der Zusammenhang erhalten bleibt, falls der Bericht über den vorgenannten Link nicht mehr erreichbar sein sollte, folgendes Zitat daraus:

Auslöser sind offenbar Hedge-Fonds, die vergeblich auf einen Kurssturz von VW spekuliert hatten. Sie hatten geliehene VW-Aktien verkauft und müssen sie jetzt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt mit riesigen Verlusten zurückkaufen. Nach Informationen des Handelsblatts aus Bankkreisen soll allein der Londoner Hedge-Fonds Marshall Wace zwischenzeitlich mehr als fünf Milliarden Euro verloren haben. Marshall Wace wies dies zurück und sprach von einem nur wesentlich geringeren VW-Verlust. Aktuell liege das Risiko für Marshall Wace bei weniger als 50 Millionen Euro. Den Kreisen zufolge soll sich auch der von der Wall-Street-Legende Richard Perry geführte Fonds Perry Capital in großem Ausmaß verspekuliert haben. Ferner sei der Investor Greenlight Capital mit seinem VW-Engagement tief unter Wasser, erfuhr das Handelsblatt aus unternehmensnahen Quellen. Brancheninsider sprechen davon, dass zahlreiche weitere Hedge-Fonds und auch Investmentbanken bei VW gerade einen Alptraum erleben.

Der elf Milliarden Dollar schwere Perry Fonds musste erst in den vergangenen Tagen Entlassungen bekannt geben – eine praktisch unvorstellbare Situation für Richard Perry, einen der angesehensten Geldmanager weltweit. Doch aktuell ist sein Fonds genau so in der Verlustzone wie viele andere. Nach Angaben des Branchendienstes Hedge Fund Research lag der Durchschnittsverlust bei den weltweit rund 10 000 Fonds bereits vor den Turbulenzen bei VW bei 17,6 Prozent.

Der unerwartete Kursanstieg trifft nicht nur Spekulanten, die auf fallende VW-Kurse gesetzt haben. Insbesondere Index-Fonds sind dazu gezwungen, Volkswagen-Aktien zu den aktuell absurden Preisen zu kaufen. Diese Fonds orientieren sich rein technisch daran, welche Aktie wie viel Prozent in einem Index ausmacht. Wenn also die VW-Aktie massiv steigt und der Dax gleichzeitig sinkt, erhöht sich der VW-Anteil extrem. Dies löst bei softwaregesteuerten Fonds Kaufanweisungen aus. Bei der Gegenbewegung nehmen sie die Verluste voll mit.

Entsprechend laut sind die Forderungen, dass die Deutsche Börse und die Finanzaufsicht eingreifen. „Im jetzigen Exzess muss die Börse reagieren“, sagt Christian Stocker, Indexexperte der Unicredit. Bei Volatilitäten wie bei VW müsse eine Aktie auch vom Handel ausgesetzt werden können. Auch Michael Punzet von der DZ Bank, der den heutigen Anstieg der Aktie am Vortag fast exakt vorausgesagt hat, fordert die Deutsche Börse zum Handeln auf. „Durch den VW-Anstieg im Dax ergeben sich massive Verwerfungen – zum Beispiel bei Absicherungsgeschäften von Versicherungen und Fonds“, sagt Punzet.

Auch die Politik reagierte am Dienstag alarmiert auf die Kurskapriolen der VW-Aktie. „Das ist Wahnsinn“, sagte SPD-Finanzexperte Joachim Poß. Solche irrationalen Kursverläufe müsse man sich genau anschauen. Otto Bernhardt, finanzpolitischer Sprecher der CDU, will prüfen lassen, ob der Gesetzgeber gegen diesen Irrsinn regulierend eingreifen muss. Die Fraktionsarbeitsgruppe Finanzen soll bereits in der nächsten Woche über mögliche Regulierungsinstrumente beraten, sagte Bernhardt dem Handelsblatt.

Die Börse sieht keinen Handlungsbedarf. Die Kritik vieler Marktteilnehmer, die Börse hätte die VW-Aktie aufgrund der extremen Kursanstiege aussetzen müssen, wies ein Sprecher zurück: „Das gibt unser Regelwerk nicht her.“ Es gebe drei Gründe für Handelsaussetzungen: wenn Aktien nicht lieferbar sind, wenn bei ausländischen Werten die Notierung am Heimatmarkt ausgesetzt ist oder wenn die Informationslage über ad-hoc-pflichtige Tatbestände wie eine Gewinnwarnung unklar ist. „Nichts davon traf bei VW zu“, sagte der Sprecher.

Dennoch wird hinter den Kulissen nach Lösungen gesucht. Schon heute könnte die Börse nach Handelsblatt-Informationen eine Entscheidung über den weiteren Umgang mit VW fällen. Der Index-Anbieter Stoxx hat bereits angekündigt, die VW-Gewichtung im Euro Stoxx 50 zu überprüfen. Die Finanzaufsicht BaFin sucht derweil Anhaltspunkte für Marktmanipulationen oder Insiderhandel.

Dem vorigen Zitat ist zu entnehmen, dass auch der BaFin und einigen Politikern wohl die Kapriolen nicht entgangen sind. Bisher gibt es ja nur ein auf die Aktien von Banken ausgesprochenes zeitlich begrenztes Leerverkaufsverbot.
Nun durften alle wieder einmal zu sehen wie beim VW-Aktienkurs u.a. Hedgefonds die Börse nicht als Handelsplatz sondern als Casino bzw. Wettbüro missbrauchten.
Auf die Anfangsfrage kann momentan nur geantwortet werden, dass meines Erachtens die Börse ist erst dann ein Handelsplatz ist, wenn das Wettbüro bzw. die dazu benötigten Möglichkeiten verboten werden. Auf eine umgehende Schließung des Casinos zu wetten wird dem geneigten Leser überlassen.

Die Uhren werden umgestellt

Abgelegt unter: Fairylane´s Blog — Fairylane at 1:45 pm on Samstag, Oktober 25, 2008

Es ist mal wieder so weit. Die Uhren werden am Sonntagmorgen wieder auf die Winterzeit umgestellt. Durch das Zurückstellen von 3.00 Uhr auf 2.00 Uhr in der Nacht dürfen alle eine Stunde länger schlafen in dieser Nacht.

Das Ende der Sommerzeit erinnert auch an das Fitmachen des lieben Autos für die kommende Winterzeit. Spätestens bis zum 01. November sollten beim Auto auch die Sommerreifen ins Winterquartier wandern, sofern dieses nicht wegen der Witterungsbedingungen bereits geschehen ist.
In der Wettervorschau wird auch schon auf den ersten Schneefall in höheren Lagen in diesem Jahr hingewiesen.

So reizvoll der Winter auch sein kann, doch so früh müsste er mit Schneefall oder Eisglätte auch nicht unbedingt kommen.

W – Fragen und Antworten zur Krise

Abgelegt unter: Fairylane´s Blog — Fairylane at 9:32 pm on Samstag, Oktober 18, 2008

Mit dem Buchstaben W beginnen die Fragewörter wann, was, wer, wie, wieso, warum, weshalb oder wo. Zu einigen dieser Fragewörter gibt es auf vielen verschiedenen Internetseiten lesenswerte und informative Berichte mit Hintergrundinformationen.

Um nicht alles zum x-ten Male zu wiederholen sind hier die Beiträge, Berichte und Informationen unter Schlagworten verlinkt:

Rettungspaket zur Stabilisierung des Finanzmarktes in Gesetzesform
Koalition prüft Milliarden-Entlastung für alle
Ackermann: Deutsche Bank braucht keine Finanzhilfe
Absturz der Finanzmärkte
“Eher vertuscht als aufgedeckt”
Bürger Deutschlands, schaut Euch das an!
Weitere harte Belege für die Mitwirkung des Bundesfinanzministeriums am Casinobetrieb zu unseren Lasten. Betr.: TSI
Die Elite rettet sich selbst Hier sind auch die Links in den Kommentaren sehr informativ.
Finanz-Krise – Warum versagt die herrschende politische Kaste in Deutschland
Finanzkrise am Ende? Wer zahlt die Zeche?
Baltic-Dry-Index crasht
Gerade hats der Bundestag beschlossen Unsere Knete fuer die Bankenzocker!
Auch der dortige Bericht über die Chronologie eines kalten Staatstreichs durch eine inszenierte Krise ist lesenswert.

Bisher ist ja bekannt, dass nun der Bund und die Bundesländer den Banken zur Seite stehen.
Jetzt kommen auch noch finanzielle Schwierigkeiten auf die Kommunen zu, wie in diesem Bericht von Monitor zu lesen ist.
Krisenverlierer: die Verluste bei Städten und Gemeinden
Auch MMnews berichtet über das Cross Border Leasing

Doch wer kann dann noch den Kommunen helfen, wenn ihre nette Finanzierungsart der öffentlichen Investitionen nun ins Schleudern gerät? :roll:
Wieder der Bürger mit seinen Steuergeldern? :oops:
Mit großer Wahrscheinlichkeit wie es aussieht. Der Bürger scheint wohl als die einzige noch als “liquide Finanzquelle” betrachtet zu werden. Nicht zu vergessen ist allerdings, dass er bisher schon erheblich in Anspruch genommen worden ist. Anders ausgedrückt: Irgendwann kommt auch bei einer ausgequetschten Zitrone kein Saft mehr heraus!

Mit der gesamten Staatverschuldungssumme steht allerdings auch die Währung “Euro” über den Maastricht-Vertrag in engem Zusammenhang.

Wer will was, wie und wann (#675, #676) hier speziell in Deutschland erreichen, fragt man sich da zum Schluss.

Drei kleine Wörter – viele unbekannte Milliarden Euro wert?

Abgelegt unter: Fairylane´s Blog — Fairylane at 4:39 am on Freitag, Oktober 17, 2008

Heute wird ja in der zweiten und dritten Lesung im Bundestag sowie die Abstimmung im Bundesrat über den Entwurf eines Gesetzes zur Umsetzung eines Maßnahmenpakets zur Stabilisierung des Finanzmarktes erfolgen.

Eigentlich gut, könnte man meinen, wenn, ja wenn, da nicht im § 9 (2) stehen würde:

(2) Dem Kreditrahmen nach Absatz 1 wachsen die Beträge aus getilgten Krediten wieder zu.

Dieses bedeutet, dass immer und immer wieder während der Gültigkeitsdauer des Gesetzes diese Kredite, welche abbezahlt sind, neu in diese Kreditermächtigung hinein fließen können.
Ist also nichts mit der absoluten Zahl von 70 Milliarden Euro, sondern diese kann viel höher sein. Tolles Werk, dass dort vorgelegt wird. Jeder hat diese absolute Zahl beachtet, aber nicht, wie sie sich durch die Regelung insgesamt in eine unbekannte Höhe erheben kann.

Dieses kleine Wort-Manöver mit großer Wirkung ist mir zwar nicht entgangen, aber auch der Website Radio-Utopie nicht. Lesenswert, informativ.

Solch eine Bestimmung, mit dadurch nicht genau bezifferbarer Summe außerhalb der parlamentarischen Kontrolle des Haushaltsausschusses halten zu wollen, empfinde ich gelinde ausgedrückt, als ein Stück aus dem Tollhaus.

Hier kann der Gesetzentwurf im pdf.-Format herunter geladen werden.

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